|
|
|
|
|
|
Nachruf
In Gedenken an Professor Dr. med. Konrad Kretzschmar (22.03.1943–23.10.2006)
Am 23.Oktober 2006 starb Herr Prof. Dr. Konrad Kretzschmar, Chefarzt der Neuroradiologie am Klinikum Augsburg, nach kurzer schwerer Krankheit. Wir, die Mitarbeiter der Klinik für Diagnostische Radiologie und Neuroradiologie, haben mit ihm einen geduldigen, wissenschaftlich versierten Lehrer und einen stets väterlich sorgenden, wohlwollend führenden Klinikleiter verloren. Geboren am 22. März 1943 in Berlin wuchs Herr Prof. Dr. Kretzschmar in Sachsen und Niedersachsen auf. Nach humanistischer Schulbildung machte er am 19. Februar 1962 Abitur und studierte danach Medizin in Würzburg, Hamburg und Innsbruck. Seine Medizinalassistentenzeit absolvierte er am Oldenburgischen Landeskrankenhaus Sanderbusch und erhielt seine Approbation als Arzt der Freien und Hansestadt Hamburg am 28. Februar 1970. Seine Promotion über „Rezidive nach behandelten Larynxtumoren“ schloss er 1973 an der HNO-Universitätsklinik Hamburg ab. Nach Ableistung des Grundwehrdienstes als Stabsarzt erfolgte seine radiologische Weiterbildung am Zentralkrankenhaus St.- Jürgen-Straße in Bremen unter Prof. Dr. Th. Hornykiewytsch. Die Facharztanerkennung für das Fach Radiologie wurde ihm am 8. März 1976 von der Ärztekammer zugesprochen. Im Juli 1976 begann er als wissenschaftlicher Mitarbeiter der neuroradiologischen Abteilung der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz unter Leitung von Herrn Prof. Dr. S. Wende. Seit 1979 war er in der Funktion eines Oberarztes in dieser Abteilung tätig und wurde schließlich 1983 zum leitenden Oberarzt der Abteilung für Neuroradiologie ernannt. Wissenschaftlich hatte sich Herr Prof. Dr. Kretzschmar mit der methodischen Entwicklung und dem klinischen Einsatz der Computertomographie befasst; zahlreiche nationale und internationale Publikationen sowie unzählige Vorträge weltweit geben hiervon Zeugnis. Diese Arbeit mündete in der Habilitationsschrift über „Wert der Computertomographie in der Diagnostik und Therapie der Hirntumoren“. Er erhielt am 15. Dezember 1981 die Venia legendi für das Fach Radiologie an der Johannes-Gutenberg-Universität zu Mainz und wurde am 1. August 1983 zum Professor (C2) ernannt. Vom 01.10.1988 bis 31.03.1992 wirkte er als Leiter der Abteilung für Neuroradiologie des Zentralinstitutes für Seelische Gesundheit der Fakultät für Klinische Medizin Mannheim der Universität Heidelberg. Intermittierend hatte er für ein Jahr die geschäftsführende Leitung der Abteilung für Neuroradiologie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz übernommen. Am 1. April 1992 erfolgte die Berufung zum Chefarzt für Neuroradiologie an der Klinik für Diagnostische Radiologie und Neuroradiologie des Klinikum Augsburg. Diese Klinik leitete er koedukativ mit Herrn Prof. Dr. Klaus Bohndorf, Chefarzt für Diagnostische Radiologie. Die Arbeitsschwerpunkte von Herrn Prof. Dr. Kretzschmar lagen auf der Schnittbilddiagnostik sowie der Fortentwicklung und Etablierung der interventionellen Neuroradiologie in einem Krankenhaus der Maximalversorgung. Am 1. März 2006 beging er sein 40-jähriges Dienstjubiläum. Neben seiner hauptamtlichen Tätigkeit wirkte Herr Prof. Dr. Kretzschmar aktiv in wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften mit, unter anderem in der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie und dem Berufsverband Deutscher Neuroradiologen. In den Jahren 1992 und 1993 war er Präsident des BDNR. Trotz seiner ausgedehnten wissenschaftlichen und klinischen Tätigkeit fand Herr Prof. Dr. Kretzschmar auch Zeit für seine vielfältigen Hobbys. Hier war der cis- und transalpine Raum das Ziel seiner Aktivitäten: Hierhin reiste er leidenschaftlich gerne, vor allem genoss er einsame Bergwanderungen in den Alpen. Italien liebte er, hier konnte er auf den Spuren der Vergangenheit und Gegenwart wandeln; jeder der ihm persönlich freundschaftlich verbunden war, wusste seine profunden Kenntnisse der römischen und griechischen Literatur und Mythologie zu schätzen. Eine weitere Leidenschaft von Herrn Prof. Dr. Kretzschmar war die Welt der Oper. Hierbei kam ihm die Nähe zu München und als Wagnerianer die Nähe zu Bayreuth sehr entgegen. Herr Prof. Dr. Kretzschmar war ein Feingeist mit humanistischer Bildung, mit Leidenschaft zur Literatur und Musik und einer ausgeprägten Liebe zur Natur. Er war ein wissenschaftlich versierter Radiologe und Neuroradiologe, der in seiner Arbeit aufging und es als eine seiner Hauptaufgaben sah, neuroradiologisches Wissen und Denken in den Köpfen der angehenden Radiologen und Neuroradiologen zu verankern. Hierbei war er ein geduldiger Lehrer in zahlreichen Workshops, Kongressen und Symposien. Als Chef hatte er für seine Mitarbeiter und Mitstreiter stets ein offenes Ohr für deren Anliegen, Sorgen und Nöte. Dabei löste er so manches Problem auf die ihm eigene Art, leise und ohne Staub aufzuwirbeln. Konfliktsituationen wurden in aller Stille entschärft. Leider war es Herrn Prof. Dr. Kretzschmar nicht vergönnt, seinen wohlverdienten Ruhestand zu erreichen. Wir beklagen den Verlust eines hochqualifizierten Lehrers, eines Kollegen und Freundes. Andreas Roesler, Augsburg |
||||||||||||||||||||||||||||||||
|
© 2009 Urban & Vogel Verlag |
|
| Online-Imprint |