|
|
|
|
|
|
Journal Club Akute Komplikationen intravenöser Applikation von Gadoliniumhaltigen MR-KontrastmittelnGar nicht so selten, wie „üblicherweise“ angenommen Li A, Wong CS, Wong MK, et al. Acute adverse reactions to magnetic resonance contrast media-gadolinium chelates. Hintergrund: Untersucht werden Häufigkeit und Schweregrad von Komplikationen nach intravenöser Applikation von Gadolinium-haltigen MR-Kontrastmittel (GdKM). Methodik: Analysiert wurde die Dokumentation von Komplikationen innerhalb einer Stunde nach GdKM-Injektion in der Zeit von Januar 1999 bis November 2004. GdKM wurde bei 9 528 (52,8%) der Patienten verabreicht; bei 45 (0,48%) davon kam es zu dokumentierten Komplikationen, bei einem der Patienten traten jeweils Nebenwirkungen in zwei parallelen Studien auf. Das mittlere Alter der Gesamtpopulation wurde nicht mitgeteilt; die Patienten mit Komplikationen waren 42 (Range 12–79) Jahre alt, fünf Patienten (11%) waren 16 Jahre und jünger. 58% der Patienten mit Komplikationen waren Frauen. Ergebnisse: Die Mehrzahl der Komplikationen waren mit 96% als mild und passager (mild reaction) zu klassifizieren. In absteigender Häufigkeit traten Übelkeit und Brechreiz (n = 18), Exanthem (11), Urticaria (4), Übelkeit, Brechreiz, vasovagale Reaktion und Verwirrtheit auf. Bei einem Patienten wurde eine Dyspnoe (moderate reaction) und bei einem weiteren ein anaphylaktischer Schock (severe reaction) verzeichnet, die jeweils erfolgreich therapiert werden konnten. Resümee: Nebenwirkungen und Komplikationen traten bei etwa 0,5% der Patienten nach intravenöser Injektion von GdKM auf. Bei 0,02% (oder 4% von 0,5%) handelte es sich um mittelschwere bis schwere Zwischenfälle. Bei keinem Patienten kam es zu bleibenden Schäden oder Tod. KommentarIm Gegensatz zu den mit eigenen Erfahrungen begründeten Auffassungen sind Komplikationen auf intravenös verabreichte GdKM in der vorliegenden Arbeit mit 0,5% nicht selten. In zitierten Studien werden Komplikationen in der Größenordnung von 0,17 bis 2,4% mit einem Mittel bei 1,2% mitgeteilt [1]. In der Literatur (n = 16) werden immerhin acht Publikationen zum anaphylaktischen Schock aufgeführt. Etwa 45% der Nebenwirkungen auf GdKM traten erst nach mehr als einer Stunde auf. Die Unterschiede erklären sich damit, dass Komplikationen und Nebenwirkungen unterschiedlich definiert wurden. In der vorliegenden Arbeit wurden nur Beobachtungen innerhalb der ersten Stunde dokumentiert und Angaben wie Kälte- oder Hitzegefühl oder Schmerzen im Zusammenhang mit der Injektion nicht registriert. Als Ursache der Komplikationen ist das extrem toxische freie Gadolinium-Ion anzusehen, das in Abhängigkeit von der Konzentration von Kupfer- und Zink-Ionen freigesetzt, resp. nicht im Komplex gebunden wird. Statistisch lässt sich keine Abhängigkeit vom Produkt feststellen, auch wenn in der vorliegenden Analyse Unterschiede beschrieben werden: Nebenwirkungen traten auf nach Injektion von Gadoterate meglumine bei n = 3 Patienten, Gadodiamide (n = 23) und Gadopentate dimeglumine (n = 19). In der vorgelegten Arbeit hatten neun der betroffenen Patienten bereits vorher ein GdKM erhalten und davon drei eine Nebenwirkung gezeigt. Von den acht Patienten, die bereits jodhaltiges Kontrastmittel erhalten hatten, hatte ein Patient eine adverse Reaktion gezeigt. Keiner der Patienten mit bekannten Nebenwirkungen und Komplikationen erhielt eine Prämedikation, ebenso wenig wie die, bei denen anamnestisch Asthma oder eine Allergie bekannt waren. Begründet wurde dies mit den Ergebnissen aus der Literatur, dass sich die Gabe von z.B. Kortikosteroiden auch bei bekanntem Risiko nicht etablieren konnte [2]. Dabei wird konstatiert, dass die Frequenz von Reaktionen auf Gadolinium um Faktor 8 größer war nach einer adversen Reaktion auf GdKM, resp. um Faktor 2,3 bis 3,7 nach Reaktion auf jodhaltiges Kontrastmittel, und um Faktor 1,5 bis 1,9, wenn Asthma oder Allergien bekannt waren. Besonders nach stattgehabter Reaktion auf GdKM ist mit einer gegenüber der ersten Reaktion schwererwiegenden Folgereaktion zu rechnen[1]! Die Autoren fordern, dass Nebenwirkungen und Komplikationen im Zusammenhang mit der Kontrastmitteladministration dokumentiert und auch im radiologischen Befund erwähnt werden sollen, um den Schutz für die Patienten zu verbessern. Dieser Schutz soll neben der Verfügbarkeit eines Nothilfe-Equipment das Training des Personals zur Beherrschung einer Notfallsituation auch bei GdKM bei MR-Untersuchungen umfassen! Bezüglich einer Prämedikation der Risikopatienten ist dem Artikel leider keine Empfehlung zu entnehmen. Literatur
(eingesandt 30. Juni 2006) F. Hentschel, Mannheim |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
© 2010 Urban & Vogel Verlag |
|
| Online-Imprint |