http://www.springermedizin.de
Titel 1/2010
The Magazine
> Current Issue  Icon: SpringerLink
> Archive
About Us
> Aims and Scope
> Editorial Board
> Guidelines for Authors
> Imprint
Service
> Meetings and Dates
> Jobs
> Links
> Contact
> Subscriptions and Orders
Search
Editorial

Professor Dr. Martin Schumacher zum 60. Geburtstag

Portrait

Im August 2004 feiert Prof. Dr. med. Martin Schumacher, Leiter der Sektion Neuroradiologie am Neurozentrum des Universitätsklinikums Freiburg und langjähriger Präsident unserer Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie, seinen 60. Geburtstag.

Als er mir in einem Editorial in dieser Zeitschrift im Jahre 2001 zu meinem 60. Geburtstag gratulierte, überschrieb er seinen Aufsatz mit den Begriffen „In Verbundenheit und Freundschaft“. Ich nahm dieses mit großer Dankbarkeit zur Kenntnis und hätte heute gerne diese Formulierung ebenso genutzt. Nun ist er mir zuvorgekommen, übrigens – wie auch fachlich – nicht zum ersten Male. Ich gebe mich daher zu seinem Geburtstag mit einer schlichteren, aber ebenso herzlich gemeinten und von mir im Folgenden begründeten Formulierung zufrieden: Glückwunsch und Verbeugung.

Bei der Quellensuche für diesen Text hatte ich persönliche, telefonische und schriftliche Kontakte zu Schumachers Freiburger Kollegen wie auch zu weiteren deutschen und ausländischen Neuroradiologen. Dabei wurde ich außerordentlich beeindruckt von dem durchwegs an mich herangetragenen Wunsch, Martin Schumacher menschlich und fachlich gerecht zu werden, sein bisheriges fachliches Lebenswerk anzuerkennen und zu würdigen sowie seine persönlichen Eigenschaften zu erwähnen. Diese Loyalität gegenüber seiner Person und allgemeine Anerkennung war so auffallend und rückhaltlos, dass neben dem Geburtstag selbst auch dafür ge-sonderte Glückwünsche angemessen sind. Im Rahmen der dabei unumstritten zum Ausdruck kommenden Akzeptanz als Lehrer, Chef und Führungspersönlichkeit resultiert auch spontan meine Verbeugung.

Martin Schumacher, am 3. August 1944 in Siegen geboren, studierte von 1965 bis 1971, unterbrochen nur durch einen Auslandsaufenthalt 1970 in den USA, in Freiburg Medizin, legte dort 1971 das Staatsexamen ab und wurde im gleichen Jahr durch die Medizinische Fakultät der Universität Freiburg als Stipendiat der Duisburg-Stiftung zum Dr. med. promoviert. Nach der Medizinalassistentenzeit absolvierte er seine erste Facharztweiterbildung in der Neurologie, die er 1979 abschloss. Wie D. Petersen, P. Stoeter, A. Thron und ich ging auch er dabei durch die ebenso harte und fordernde wie klinisch und wis- senschaftlich prägende Schule der Neurologischen Universitätsklinik mit Abteilung für Neurophysiologie unter Prof. R. Jung in Freiburg.

Es ist dann genau dieser Kollegenkreis, der mir nach Tübingen an die 1977 neu gegründete Abteilung für Neuroradiologie folgt und als „badischer Cluster“ in Schwaben entscheidend und prägend deren Aufbau und Gedeih betreibt. Die Neuroradiologie steht seither im Mittelpunkt von Schumachers klinischen und wissenschaftlichen Interessen, die er neben der Patientenversorgung konsequent und zielstrebig verfolgt. 1980 habilitierte er sich in Tübingen mit einem Habilitationsstipendium der Deutschen Röntgengesellschaft sowie einer Forschungsförderung durch die Else-Übelmesser-Passera-Stiftung über die „Neuroradiologie experimenteller Hirntumoren“ – mit einer tierexperimentellen, mikroangiographischen Grundlagenstudie über transplantierte Ratten-Hirntumoren, deren Ergebnisse auch in der Humanpathologie methodisch und systematisch beispielhafte Zuordnungen zu einzelnen Tumorentwicklungsstadien zulassen. Folgerichtig wurde er schon 1981 Chefarzt der Abteilung für Neuroradiologie (zugleich mit Chefarztnachfolge auch der Abteilung für Neurologie) der Klinik Christophsbad Göppingen, wo er diese Tätigkeit bis 1983 ausübte.

1984 absolvierte er im Frühjahr einen Studienaufenthalt im Hopital Lariboisiere in Paris bei Prof. J.J. Merland und nahm zugleich einen Ruf auf die Professur für Neuroradiologie mit Leitung der gleichnamigen Sektion des Universitätsklinikums Freiburg an. „Back to the roots“ ist Prof. Schumacher diesem Arbeits- und Tätigkeitsfeld am Oberrhein bis heute treu geblieben, bildete sich 1989 während eines halbjährigen Forschungsaufenthaltes in den USA an den Universitätskliniken Pittsburgh (Prof. Horton), New York (Prof. Berenstein) und San Diego (Prof. Kerber) vor allem interventionell-neuroradiologisch weiter, wurde im selben Jahr Arzt für Radiologie mit der Schwerpunktbezeichnung Neuroradiologie, lehnte zwischenzeitlich 1991 Rufe an die Universitäten Marburg und Greifswald ab und absolvierte stattdessen im gleichen Jahr ein Trainings- und Forschungsprogramm an der Universität Los Angeles (Prof. Vinuela).

Die Neuroradiologie definiert Martin Schumacher stets individuell und nicht als abgeklärtes, im Sinne von abgestandenes, statistisches Bescheidwissen. Dies hat ihm im In- und Ausland Achtung und Anerkennung verschafft: Folgerichtig agiert er erfolgreich als Präsident unserer Gesellschaft, ist Chairman of the National Delegates of the European Society of Neuroradiology und National Delegate of the World Federation of Neuroradiology ... Man möge mir verzeihen, wenn ich weitere ehrenvolle Tätigkeiten nicht vermerkt habe.

Vernunft und Stilgefühl sind bei ihm untrennbar verbunden. Seine fachliche Sorgfalt lässt er sich durch reines Kalkül nicht streitig machen. Zu verblüffenden Einsichten ist er ebenso befähigt wie zu kühnen Urteilen. Hilfreich sind ihm dabei seine stets haftende und konsequente Beharrlichkeit und Ausdauer – wahrscheinlich Folge seiner heimatlich-westfälischen Schädelbeschaffenheit! –, die ihn auch im Alten und Erprobten Neues und Originäres finden lässt. Davon zeugen ebenso bald 400 Publikationen und Buchbeiträge wie umfangreiche Organisationen und Ausrichtungen von Workshops, Symposien und Kongressen, so auch 1993 die der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie, und seine Tätigkeiten als Koordinator wissenschaftlicher Multicenter-Studien (z.B. Hirnstammgliom-Studie, ISAT-Aneurysma-Studie, EAGLE-Thrombolyse-Studie).

Natürlich ist Martin Schumacher ein kompletter Neuroradiologe. Deshalb rede ich nur zögerlich von wissenschaftlichen Schwerpunkten: Untersuchungen zur Hemisphärendominanz bei Normalpersonen und Schreib-Lese-Störungen; tierexperimentelle Untersuchungen zu Hirntumoren; Biomechanik und Belas-tungsabhängigkeit der Wirbelsäule; die interventionelle Neuroradiologie im Allgemeinen und die Ophthalmica-Lyse, die transluminale Angioplastie sowie tierexperimentelle Untersuchungen zur Stent-Therapie von AV- Fisteln und Aneurysmen im Besonderen.

Im Urteil seiner Mitarbeiter und Kollegen überwiegt und beeindruckt gleichermaßen sein ständiges Ringen darum, innovativ zu sein. Dabei ist er immer Partei: Sein Verstand und Herz, seine Vitalität und Beharrlichkeit sowie seine intellektuell inspirierende Anziehungskraft sind in sich selbst überzeugendste Widerlegungen erlahmenden Engagements. – Wunderbar und beispielhaft für seine Mitarbeiter sind an Schumacher seine Neugier, die ihn stets unsere Fachgrenzen ausloten lässt, seine Hartnäckigkeit, die aus seinem In-Sich- Ruhen Stärke gewinnt, und seine Begeisterungsfähigkeit, die immer neue Neugier schafft ... Diese Eigenschaften möge er noch lange behalten und weitergeben. Wie schon gesagt: Glückwunsch und Verbeugung.

K. Voigt, Tübingen


© 2010 Urban & Vogel Verlag
Online-Imprint